Das Thema Nationalpark Spessart ist beendet: Nach massiven Protesten in den betroffenen Spessartdörfern hat die bayerische Staatsregierung aufgegeben und sucht woanders einen Standort. Trotzdem bleibt die Frage: wie könnte man dem Spessart etwas Gutes tun und ihn durch ein größeres Projekt aufwerten. Mein Vorschlag: ein Spessarter Freilandmuseum.

Was ist ein Freilandmuseum?

Erhaltenswerte Gebäude einer Region, die an ihrem ursprünglichen Standort keine Zukunft haben, werden von Fachleuten abgebaut und dann im Freilandmuseum mit den alten Techniken und Materialien wieder aufgebaut. Innen werden sie mit Gegenständen aus alten Zeiten stimmig ausgestattet.  Man kann darin herumspazieren, erlebt die niedrigen Stuben und Türen, die knartzenden Dielen und die zugigen Kammern unter dem Dach. Viele alte Gebrauchsgegenstände erklären sich durch den Kontext selbst. Der Eindruck auf den Besucher ist viel nachhaltiger als der einer Ausstellung mit Fotos und Dokumenten.

Im Freilandmuseum Fladungen (Rhön) stehen 3 Gebäude aus dem Spessart, darunter die alte Schule aus Krausenbach:

Alte Schule Krausenbach im Freilandmuseum Fladungen

Da das Gebäude zum Schluss in Krausenbach als Wohnhaus genutzt wurde, waren die alten Schulmöbel nicht mehr vorhanden. Die vorhandenen geben aber einen guten Eindruck, wie es früher in Schulstuben ausgesehen hat:

 

Weitere Bilder aus dem Freilandmuseum Fladungen (auch von der alten Krausenbacher Dorfschule)  finden Sie auf meiner Seite Spessartbilder.eu. Dort werden auch noch die sehr kompakte Anlage von Tann (Rhön) und und die sehr weitläufige Anlage von Gottersdorf (Odenwald) vorgestellt. Gemeinsam ist allen 3 Freilandmuseen, dass sie in recht abseitiger Lage geplant wurden um dort den Tourismus anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen. Die beiden Anlagen in der Rhön lagen wenige km von der innerdeutschen Grenze entfernt. Die Gegend um Gottersdorf wird von den Einheimischen selbst als badisch Sibirien bezeichnet.

Ist ein Freilandmuseum für den Spessart grundsätzlich machbar?

Ich denke ja! Nur sollte das Thema schnell angegangen werden!

  • Der Zeitpunkt ist extrem günstig: Viele (Politiker), die gegen den Nationalpark waren, wollen zeigen, dass sie nicht nur ablehnen können, sondern auch konstruktiv etwas für den Spessart tun wollen.
  • Die Finanzierung dürfte kein unüberwindliches Problem sein: Der Freistaat Bayern war bereit, für einen Nationalpark auf einen Großteil seiner Einnahmen aus der Bewirtschaftung der Spessartwälder zu verzichten. Nachdem der Nationalpark abgelehnt wurde, steht das Geld weiter zur Verfügung. Es könnte für ein Freilandmuseum verwendet werden. Nur müsste man es jetzt loseisen. In 10 Jahren funktioniert die Argumentation nicht mehr.
  • Die Landtagswahl steht vor der Tür. Vor der letzten Wahl konnte Dammbach für einen weitgehend sinnlosen Radweg fast 500.000 € bekommen. Für den ganzen Spessart das zehn- oder zwanzigfache als Startfinanzierung dürfte doch kein Problem sein.
  • Mit dem Spessartprojekt steht eine kompetente Organisation zur Verfügung, die ein Freilichtmuseum gut konzeptionell und wissenschaftlich betreuen könnte und das auch gerne machen würde.
  • Mit einer massiven Ablehnung durch die Bevölkerung wie beim Nationalpark ist nicht zu rechnen. Im Gegenteil: ich könnte mir vorstellen, dass sich mehrere Orte um ein solches Projekt streiten.
  • Mit großem Elan und Idealismus wurden in vielen Orten Kleinstmuseen / Museumsstuben aufgebaut. Nach einiger Zeit ist dann der Frust groß, weil praktisch keine Besucher kommen. Solche Bestände könnten in einem Freilandmuseum konzentriert werden.
  • Wichtig wäre ein Standort, der auch genügend Besucher anzieht, weil in der Nähe noch ein anderes attraktives Ziel liegt. Den Fehler der Odenwälder, ihr Freilandmuseum völlig abseitig zu legen, sollte man nicht wiederholen.

Wäre ein Freilandmuseum in der näheren Umgebung von Dammbach machbar?

Wie oben gesagt: am allerwichtigsten ist ein verlässlicher Besucherstrom, durch den sich laufende Kosten weitgehend decken lassen. Den könnten zum einen die vielen Busse garantieren, die Schloss Mespelbrunn regelmäßig anfahren und eine solche Attraktion auch noch mitnehmen. Zum zweiten die Schulklassen, die das ganze Jahr über im Schullandheim Hobbach übernachten. Für die und ihre Lehrer wäre ein Freilandmuseum in Gehentfernung ideal.

Viel Geld und Zeit ließe sich sparen, wenn vorhandene Gebäude wie z.B. der Neuhammer oder der Höllhammer in ein solches Museumsprojekt integriert werden könnten. Nach dem Vorbild von Schloss Mespelbrunn könnte man sicher ein Konzept entwickeln, nach dem die Eigentümer weiterhin ihre Objekte bewohnen können, wenn sie das wollen. Die nicht benötigten Teile könnten in ein Museum integriert werden. In der Nähe gibt es noch Reste der alten Bahnanlagen und den Rexrothfriedhof oberhalb des Höllhammers. Sogar der bisher eher sinnlose Dammbacher Radweg könnte vielleicht doch noch einen Sinn bekommen, wenn er verschiedene Gebäude eines Freilandmuseums miteinander verbindet.

Vorschlag von MdL Peter Winter (CSU) und Wolfgang Kübler

Am Montag, 27. 11. 2017 war im Main-Echo ein großes Interview mit den beiden Vorsitzenden des Vereins „Wir im Spessart“ zu lesen. Dieser Verein hat massiv gegen die Einrichtung eines Nationalparks Spessart gekämpft und damit letztendlich auch Erfolg gehabt. Nun schlagen die beiden Vorsitzenden zur Kompensation ein „Eichenzentrum Hochspessart“ vor. Es soll im Hafenlohrtal angesiedelt werden in einem leerstehenden Hofgut. Ausgestattet werden soll es mit einigen touristischen Attraktionen, Seminarräumen und einer Ausstellung „zur Kulturgeschichte der Eichenwirtschaft im Spessart“  Sehr hilfreich ist, dass MdL Winter Vorsitzender des Haushaltsausschusses im Landtag ist. Er konnte dafür sorgen, dass im Nachtragshaushalt 2018 eine Mio € für die Planung vorgesehen wurden. Insgesamt 10 Mio € soll die ganze Anlage einmal kosten.

Meine Meinung dazu: Man sollte sich einmal das Waldmuseum Wattenbacher Haus in Preunschen anschauen. 1997 mit einem ähnlichen Konzept gestartet ist es heute praktisch tot. Wegen der wenigen Besucher wurden die Öffnungszeiten auf Wochenende und Nachmittag eingeschränkt. Die Gefahr ist groß, dass es mit dem geplanten Eichenzentrum genauso kommen wird: Es ist zu abgelegen und schlecht erreichbar. Um einen nachhaltigen Eindruck vom Spessartwald mit seinen Eichen zu bekommen, muss man durch eines der Schutzgebiete wandern. Dort riecht man den Wald, fühlet ihn, ist beeindruckt von den mächtigen Bäumen und kann immer etwas lebendiges beobachten. Man ist aktiv. Das befriedigt und bleibt als Erinnerung. Hinweistafeln können dabei unterstützen oder Flyer. Wichtig ist, dass sich die Besucher gut verteilen. Also nicht ein Eichenzentrum, in dessen näherer Umgebung dann alle Pilze zertrampelt und die Pflanzen plattgetreten sind. Sondern viele Wanderparkplätze, die den Spessartwald erschließen, so wie wir das ja bisher auch schon haben. Wenn weitere Gebiete aus der Bewirtschaftung genommen werden und sich langsam zu Urwald entwickeln, ist das nur zu begrüßen. Und wenn dann dort neue Wanderparkplätze angelegt und mit Informationstafeln ausgestattet werden, trägt sicher jeder einzelne dazu bei, die Attraktivität des Spessart zu erhöhen. Dafür sind keine Millionen erforderlich.  Die könnte man dafür verwenden, die Geschichte des Spessart in einem Freilandmuseum in Auszügen darzustellen.

Nachtrag Juni 2018: Inzwischen konnte MdL Peter Winter eine Finanzierung in Höhe von 26,5 Mio € sichern. Näheres dazu in dem Beitrag „Meister Winter und sein Musterschüler“

Vorschlag von MdL Thomas Schwab, ebenfalls CSU

Am 8. Dezember bekam MdL Thomas Schwab Gelegenheit, seine Vorstellungen über die Kompensation für den entfallenen Nationalpark darzustellen. Er schlägt u. a. ein ca. 40 m hohes Baumwipfelrestaurant in der Nähe des Bischborner Hofes vor.

Meine Meinung: Ein solches Baumwipfelrestaurant ist immens teuer, muss also hochpreisig sein. Das passt nicht zum Spessart. Es braucht eine kontinuierliche Auslastung: Bei Tageslicht mag der Blick über den Spessart attraktiv sein, bei Dunkelheit sieht man nichts. Im Gegensatz zu einem Aussichtslokal in einer Großstadt: da ist abends die beleuchtete Umgebung besonders attraktiv und abends ist daher die Hauptgeschäftszeit. Niemand, der von Ökonomie etwas versteht, wird ein solches Projekt für aussichtsreich halten, zumal der Bischborner Hof selber seit Jahren als Gasthaus geschlossen ist. Vielleicht schlägt ja demnächst jemand als Kompromiss zwischen den bisherigen Vorschlägen ein Riesenrad im Eichenwald vor. Wenn er MdL ist, bekommt er dafür wieder eine ganze Seite im Main-Echo. Warten wir mal. Vielleicht meldet sich ja Dr. Fahn mit diesem Vorschlag zu Wort. Das Copyright dafür würde ich ihm als altem Kollegen kostenlos abtreten.

 

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